Kultur am Arbeitsplatz

Kulturunterschiede sind so alt wie die Welt. Oft sind es ganz alltägliche Dinge, wie etwa das warme Mittagessen in Deutschland im Gegensatz zum Käsebrot mit einem Glas Buttermilch in den Niederlanden. Unterschiede gibt es aber ebenso im Führungsstil oder in der Art und Weise, wie man kommuniziert. 

Wenn Sie im Nachbarland arbeiten wollen, gehört das Wissen um kulturelle Unterschiede und den Umgang damit zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Erfahren Sie hier, was die Zusammenarbeit mit Niederländern anders macht.

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Mit welchen Kulturunterschieden muss ich rechnen – als Führungskraft?

Sobald Sie als Führungskraft in den Niederlanden arbeiten, werden Sie merken: Die niederländische Unternehmenskultur unterscheidet sich von der deutschen. Nicht nur der Umgang miteinander ist anders, als Sie es gewohnt sind. Auch Ihre Mitarbeiter haben andere Erwartungen an Ihren Führungsstil. Was sind nun die wichtigsten kulturellen Unterschiede?

Flache Hierarchien

In den Niederlanden sind die Hierarchien so flach wie das Land selbst und die Dienstwege kurz. Niederländische Angestellte haben ein gleichberechtigtes Rollenverständnis. Sie agieren selbstbewusst und äußern ihre Meinung, wenn es ihnen nicht passt. Als Führungskraft erhält man nicht automatisch Respekt aufgrund der Position, sondern man muss sich den Respekt seiner Mitarbeiter/-innen durch Leistung, Wissen und Verhalten erarbeiten. Denn Persönlichkeit zählt in den Niederlanden genauso viel wie die Position.

 

Entscheidungen

Führungskräfte haben in den Niederlanden eine eher koordinierende Aufgabe. Entscheidungen von oben werden nicht gern gesehen, sondern bevorzugt im Einvernehmen mit dem Team getroffen. Besprechungen finden dann auch häufig statt. Niederländern ist es dabei wichtig, zumindest das Gefühl zu haben, mit entscheiden zu dürfen. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie dazu Raum bieten.

 

Duzen

Der ausgeprägte niederländische Egalitarismus führt auch dazu, dass Chefs und Kollegen – auf allen Ebenen – schnell und gleichermaßen geduzt und mit Vornamen angesprochen werden. Das Du wird nicht explizit angeboten, sondern erfolgt quasi von selbst. Man kommuniziert auf Augenhöhe und legt viel Wert auf einen unkomplizierten Umgang miteinander.

 

Sprache

In einem Land mit einem gleichberechtigtes Rollenverständnis gehört eine freundliche Bitte zum guten Ton, direkte Anweisungen kommen nicht gut an. Das funktioniert am besten, indem man kurz Sinn und Zweck der Sache erläutert und freundlich fragt. Ansonsten sind Niederländer jedoch dafür bekannt, sehr direkt zu sein und kein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Damit es auf der Beziehungsebene dennoch „gemütlich“ bleibt, verwendet man gern Verkleinerungsformen und Understatement. Man hat von etwas „ein bisschen Ahnung“ (das sollte man jedoch nicht wortwörtlich nehmen!), man trinkt in der Pause ein „Tässchen“ Kaffee mit einem „Plätzchen“, bevor man ein „telefoontje“ (Anruf) mit einem Geschäftspartner tätigt oder ein „onderonsje“ (Gespräch unter vier Augen) mit einem Mitarbeiter führt.

 

Zurückhaltung

Als Führungskraft bewegen Sie sich in den Niederlanden „unter Gleichen“. Von Ihnen wird dann auch ein entsprechendes Verhalten erwartet. Das Zeigen von Status – z.B. durch die Anrede mit akademischem Titel oder eine Luxusausstattung fürs Büro – gehört nicht zum niederländischen Gebot des „Normalseins“. Die Wirkung des Calvinismus, obwohl inzwischen etwas abgemildert, ist immer noch spürbar. 

 

Flexibilität

Die Niederlande sind eine Handelsnation. Schnell reagieren, wenn nötig improvisieren und flexibel handeln stehen hoch im Kurs. „Moet kunnen“, also „muss möglich sein“ lautet die Devise. Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Gefasste Beschlüsse sind nicht in Stein gemeißelt, sondern werden bei Bedarf verändert. Hierzu nutzt man die oft zahllosen Meetings („overleg“ genannt). Das Beharren auf einer strikten Planung wird als eher einengend erfahren. 

 

Delegieren

Deutsche Manager sind oft Fachspezialisten, niederländische Manager hingegen meistens Generalisten. Sachbearbeiter mit fachlicher Expertise bekommen daher schneller Entscheidungskompetenz als in Deutschland, auch bei Verhandlungen. Von Ihnen als Führungskraft wird erwartet, dass Sie Aufgaben delegieren und Mitarbeiter eigenverantwortlich arbeiten lassen. Ihre Aufgabe besteht in erster Linie darin, den Überblick zu behalten, Strategien zu entwickeln und das Ziel im Auge zu haben.

 

Besprechungs- und Sitzordnung

Punkto Besprechungen ist man in den Niederlanden ebenfalls meist etwas lockerer als in Deutschland. Zwar gibt es auch in den Niederlanden eine Tagesordnung, der Umgang damit ist jedoch etwas flexibler, als Sie es gewohnt sind. Und auch die Sitzordnung spiegelt nicht unbedingt die hierarchischen Positionen wieder. 

 

Präsentationen

Ein niederländisches Publikum werden Sie mit einer textlastigen Präsentation mit vielen Zahlen, Daten, Fakten und Fachjargon nicht begeistern. Überzeugen Sie stattdessen mit Visualisierungen, Storytelling, einer verständlichen Sprache und Antwort auf die Frage „Wie lässt es sich praktisch anwenden“.   

 

Umgang mit Zeit 

Aus deutscher Sicht planen Niederländer weniger weit in die Zukunft. Obwohl Niederländer auch viel Wert auf die Einhaltung von Terminen legen, wird Zeit weniger stark strukturiert. Manchmal bleibt sogar Zeit für einen spontanen Termin oder einen unangekündigten Besuch bei einem Geschäftspartner im Rahmen der Beziehungspflege. 

 

Trennung von Arbeit und Privat

Bei der Arbeit spielen in den Niederlanden eine angenehme Arbeitsatmosphäre und ein gutes persönliches Verhältnis durchaus eine Rolle. Die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben ist in den Niederlanden weniger strikt. Auch auf der Arbeit schlüpft man weniger in eine professionelle Rolle als in Deutschland, sondern man ist möglichst sich selbst. Es ist nicht unüblich, nach der Arbeit zusammen noch etwas trinken zu gehen oder befreundete Kollegen zum Geburtstag einzuladen. 

 

Humor

Witze erzählt man sich nicht nur im Privatleben, sondern auch an einem niederländischen Arbeitsplatz. Selbstironie ist dabei wichtig, man macht sich gern über die eigene Person oder über Personen mit (angeblichem) Status lustig. Auch das ist Teil des typisch niederländischen Understatements. 

 

Mit welchen Kulturunterschieden muss ich rechnen – als Mitarbeiter/-in?

Sobald Sie in den Niederlanden arbeiten, werden Sie merken: Die niederländische Unternehmenskultur unterscheidet sich von der deutschen. Dies gilt sowohl für den Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern als auch für den Umgang zwischen Kollegen. Was sind nun die wichtigsten kulturellen Unterschiede?

Flache Hierarchien

In den Niederlanden sind hierarchische Strukturen viel weniger sichtbar als in Deutschland. Durch das gleichberechtigte Rollenverständnis ist die Distanz zwischen Führungskräften und Mitarbeitern klein. Die Dienstwege sind kurz und die Türe von Vorgesetztenbüros – sofern sie ein eigenes Büro haben – stehen meistens offen. Vorgesetzte haben im Team oft eine eher koordinierende Rolle.

 

Teamarbeit

Entscheidungen werden bevorzugt im Einvernehmen mit dem Team getroffen – Besprechungen finden dann auch häufig statt. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie dabei Initiative zeigen und mitdenken. Die Grenzen zwischen Kompetenzen sind in einem niederländischen Team fließender, als Sie es in Deutschland gewohnt sind. Das Übernehmen der Arbeit von Teamkollegen, z.B. bei Urlaub oder Krankheit, ist nichts Ungewöhnliches.

 

Duzen

Der ausgeprägte niederländische Egalitarismus führt auch dazu, dass Chefs und Kollegen – auf allen Ebenen – schnell und gleichermaßen geduzt und mit Vornamen angesprochen werden. Das Du wird nicht explizit angeboten, sondern erfolgt quasi von selbst. Man kommuniziert auf Augenhöhe und legt viel Wert auf einen unkomplizierten Umgang miteinander.

 

Sprache

Niederländischen Chefs ist es wichtig, ihren Mitarbeitern zumindest das Gefühl zu geben, selbst entscheiden zu dürfen. Daher werden direkte Anweisungen häufig in Form einer freundlichen Frage verpackt. Aber passen Sie auf: Eine solche Frage ist durchaus als Handlungsaufforderung zu verstehen! Ansonsten sind Niederländer dafür bekannt, sehr direkt zu sein und kein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Damit es auf der Beziehungsebene dennoch „gemütlich“ bleibt, verwendet man gern Verkleinerungsformen und Understatement. Man hat von etwas „ein bisschen Ahnung“ (das sollte man jedoch nicht wortwörtlich nehmen!), man trinkt in der Pause ein „Tässchen“ Kaffee mit einem „Plätzchen“, bevor man ein „telefoontje“ (Anruf) mit einem Teamkollegen tätigt und in die Mittagspause verschwindet, wo man ein „Butterbrötchen“ mit Käse isst und dazu ein „Gläschen“ Buttermilch trinkt.

 

Zurückhaltung

Im Vergleich zu manchem deutschen Chef zeigen niederländische Vorgesetzte wenig Statusbewusstsein. Dies gilt sowohl für äußerliche Statussymbole – Kleidung, Luxusausstattung, Autos – als auch für das Führen akademischer Titel oder die Verwendung von Fachvokabular. „Benimm dich normal, das ist schon verrückt genug“, so lautet die Devise. Die Wirkung des Calvinismus, obwohl inzwischen etwas abgemildert, ist immer noch spürbar. 

 

Äußeres

In ihrem Kleidungsstil mögen Niederländer es häufig bunter und lockerer als manche Deutsche. Auch Vorgesetzte sind in ihrer Kleidung oft kaum von ihren Mitarbeitern zu unterscheiden. Man schlüpft auf der Arbeit weniger in eine professionelle Rolle, sondern ist möglichst sich selbst und zeigt seine Persönlichkeit.

 

Flexibilität

Die Niederlande sind eine Handelsnation. Schnell reagieren, wenn nötig improvisieren und flexibel handeln, kurz zusammengefasst: „Moet kunnen“ (muss möglich sein). Hauptsache, das Ergebnis stimmt. Gefasste Beschlüsse sind nicht in Stein gemeißelt, sondern werden bei Bedarf verändert. Hierzu nutzt man die oft zahllosen Meetings („overleg“ genannt). Das Beharren auf einer strikten Planung wird als eher einengend erfahren. 

 

Delegieren

Niederländische Manager sind häufig keine Fachspezialisten, sondern Generalisten. Deswegen wird er oder sie nicht immer die Antwort auf eine fachliche Frage wissen – dafür sind die Fachkollegen zuständig. Im Umkehrschluss bekommen Sachbearbeiter mit fachlicher Expertise schneller Entscheidungskompetenzen als in Deutschland, sogar bei Verhandlungen. Niederländische Führungskräfte delegieren mehr, geben weniger Struktur vor und erwarten von Ihnen eigenverantwortliches Arbeiten und Mitdenken.

 

Trennung von Arbeit und Privat

Bei der Arbeit spielen in den Niederlanden eine angenehme Arbeitsatmosphäre und ein gutes persönliches Verhältnis durchaus eine Rolle. Die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben ist in den Niederlanden weniger strikt. Es ist nicht unüblich, nach der Arbeit zusammen noch etwas trinken zu gehen oder befreundete Kollegen zum Geburtstag einzuladen. 

 

Humor

Witze erzählt man sich nicht nur im Privatleben, sondern auch an einem niederländischen Arbeitsplatz. Selbstironie ist dabei wichtig, man macht sich gern über die eigene Person oder über Personen mit (angeblichem) Status lustig. Auch das ist Teil des typisch niederländischen Understatements.